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Die Dolomiten sind ein weltkulturerbe


Die so lange erwartete Entscheidung wurde getroffen: endlich sind die Dolomiten zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt worden.

Bereits der große Déodat Gratet de Dolomieu begriff, als er vor zwei Jahrhunderten das Gestein, das diese Berge so ungewöhnlich macht erkannte und analysierte, ihre Einzigartigkeit hinsichtlich ihrer Unversehrtheit und die Außergewöhnlichkeit aus geologischer und geomorphologischer Sicht. Die Entscheidung der UNESCO ist daher gewissermaßen etwas verspätet, auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass bereits 43 Orte in Italien zur Liste des Weltkulturerbes zählten und dadurch unser Land in der Anzahl der anerkannten Stätten führend ist. Die Neuheit ist allenfalls, dass die Dolomiten neben den Isole Eolie (Äolischen Inseln) der zweite italienische Ort sind, die als Naturschatz eingetragen wurden (da alle anderen italienischen Orte zu den Kulturschätzen gehören).

Gleich nach der Mitteilung der Entscheidung begannen die Auseinandersetzungen betreffs des Standorts des Verbands, der „Dolomiti-Dolomiten-Dolomites-Dolomitis UNESCO Foundation“, der die Verantwortung über die Koordination der verschiedenen Institutionen für die Verwaltung der Erhaltungs- und Förderungspolitiken des Weltkulturerbes übernehmen soll. Heraus kam die italienische lokalpatriotische Tradition, die augenblicklich durch die gute “Teamarbeit” der fünf verbundenen Provinzen (Trento/Trient, Bolzano/Bozen, Belluno, Udine und Pordenone) etwas ins Abseits gestellt wurde. Diese Teamarbeit war für den Erfolg der Kandidatur bestimmend. Ferner brach eine “Querele” anlässlich der hochkarätigen Anerkennung heraus: es gibt Befürchtungen, dass es sich um eine große Imagearbeit handelt, organisiert von den lokalen Institutionen und nur auf das wirtschaftliche Wachstum ausgerichtet und nicht auf den Schutz und die nachhaltige Aufwertung der Region. Unzweifelhaft ist das Konzept der “Aufwertung” nach dem Dafürhalten angesehener Experten per se doppeldeutig, da das nie geklärte Ungleichgewicht zwischen der Notwendigkeit eines Schutzes auf hohem Niveau und den zu ergreifenden Maßnahmen im Bereich der Förderung des aufzuwertenden Gutes, nicht gelöst wird.

Es gibt bereits Behauptungen, dass die Anerkennung der UNESCO zu einem Wachstum des Tourismus von 30 % führen würde: dies würde eine schwer abzufangenden Auswirkung auf das empfindliche Gleichgewicht der Umwelt haben. Es ist kein Zufall, dass einige der anerkanntesten italienischen Fürsprecher der Berge, wie Reinhold Messner, Cesare Maestri und Mauro Corona vor dem schnellen Enthusiasmus und vor der Gefahr einer nie dagewesenen Touristeninvasion warnten, die mit der Zerstörung der Unversehrtheit und Außergewöhnlichkeit dessen enden würden, was die Dolomiten auszeichnet.

Im Übrigen stellt das Weltkulturerbe ein Erbe der Vergangenheit dar, in dessen Genuss wir heute kommen und das wir an die zukünftigen Generationen weitergeben, nach der Definition der UNESCO. Dies vergibt als unabhängiges Organ der Vereinten Nationen die Anerkennungen, wenn die Bedingungen entsprechend sind, es ist aber auch befugt diese zurückzunehmen, sollten sich die Bedingungen negativ entwickeln. So wie es in Dresden und dem Elbtal geschehen ist, die von der Liste ausgeschlossen wurden, nachdem eine Zementbrücke nach einer Volksbefragung errichtet wurde, um die Verbindungen zwischen den beiden Teilen der Stadt zu verbessern, die für die Experten der UNESCO auf furchtbare Art und Weise das Aussehen der Stadt und des gesamten landschaftlichen Umfeldes beeinträchtigt. Wir erinnern an die Auseinandersetzungen, die die öffentlichen Verwalter der Äolischen Inseln hinsichtlich der Projekte der Förderung der touristischen und hafenbaulichen Infrastrukturen überrollt haben, die zur Streichung des Standorts aus der Liste des Weltkulturerbens geführt hätten.  Für die Dolomiten, sowie für die sizilianischen Inseln (und für Italien in seiner Gesamtheit) gäbe es kein schlechteres Schicksal, als auf der „schwarzen Liste“ der UNESCO zu stehen aufgrund Entscheidungen, die auf internationaler Ebene als sinnlose eingestuft wurden.

Als Ente Italiano della Montagna (EIM) (Italienischer Gebirgsverband) treten wir seit je her dafür ein, dass die italienischen Berge in ihrer Gesamtheit Aufmerksamkeit und Respekt verdienen, und zwar durch konkrete Initiativen und moderne Überwachungsformen. Das Gebirge ist eine empfindliche Landschaft, in unablässiger Instabilität und Vergänglichkeit, wie die zahlreichen Leidenssymptome der „Felsgiganten“ bezeugen, die in den vergangenen Jahren auch in den Dolomiten immer deutlicher wurden: ein Beispiel dafür ist der Einsturz des Torre Trephor der Gruppe der Cinque Torri im Jahr 2004 und das Ablösen einiger riesiger Felsblöcke vom Cima Una (Einser) im Val Fiscalina im Jahr 2007.

Ganz zu schweigen vom Gebirgsmassiv Gran Sasso d’Italia, das nach dem Erdrutsch des Paretone del Corno Grande im Jahr 2006 (der nicht wie bei den oben erwähnten Einstürzen der Dolomiten zu Opfern führte), erst kürzlich wieder zu beben begann und auf sich aufmerksam machte, und dieses Mal mit schrecklichen Folgen. Der EIM, der seit Jahren mit den Erhebungen zur Region des Gran Sasso d’Italia befasst ist, weiß sehr wohl, dass es keinen Sinn hat von einer stiefmütterlichen Natur oder von mörderischen Bergen zu sprechen: es handelt sich einfach um ein „unruhiges“ Gebirgsmassiv, das aus geologischen Gründen einer stetigen Veränderung unterliegt. Der EIM ist sich der Tatsache genau bewusst, dass das Schicksal Italiens eng mit der Zukunft seiner Berge verbunden ist. Die Berge sind in der Tat einer der bedeutendsten Bereiche unseres Landes: neben dem, dass sie Landschaften von hinreißender und wunderbarer Schönheit bieten, stellen sie eine kostbare Energiereserve und nicht zu ersetzende Ressourcen dar, sowie einen einzigartigen Schatz an Kultur und Traditionen. Die Berge zeigen aber auch die unheilvollen Auswirkungen, die durch die Entvölkerung, sowie durch die unterschiedslose Ausbeutung der Ressourcen und die Zerstörung einer Region hervorgerufenen wurden, die über Jahrtausende durch die Werke der Menschen geformt und bewahrt wurden und heute immer mehr den ständigen Katastrophen und dem hydrogeologischen Niedergang ausgesetzt sind. In diesem Sinn stellen die Berge eines der Symbole der Zerbrechlichkeit Italiens dar, seiner schwierigen Geschichte, seiner Probleme und seiner Schwierigkeiten. Die Gebirgsmassive werden also als eine absolute Priorität für das Land anerkannt, wie ein sich ständig entwickelndes Universum, das zu schützen, aufzuwerten und wachsen zu lassen ist, gemäß eines neuen Entwicklungsmodells und einer gekonnten Aktion der Regierung auf nationalem, regionalem und lokalem Niveau, zu dem der EIM - in der Erfüllung seiner Aufgabe als öffentliche Forschungseinrichtung im Dienste der Ämter, die für die Gebirgsregionen zuständig sind – bereit ist, seinen kulturellen und technisch-wissenschaftlichen Beitrag zu leisten. In diesem Sinne kann die, von den Dolomiten von der UNESCO verliehene Anerkennung, eine großartige Gelegenheit darstellen: um die Richtung der Politik hinsichtlich unserer Berge umzukehren, die nicht ausgebeutet, sondern geliebt und geschützt werden.

Denn hier geht es um die Zukunft des Landes und das Schicksal unserer und der kommenden Generationen.

Luigi Olivieri
Sonderkommissar des EIM
http://www.eim.gov.it




Offizielle Website für den Tourismus und für Veranstaltungen in der Provinz Pordenone
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